Lebensbilder

Kristel

[In dankbarer Erinnerung an unsere Mitfrau Kristel, die im Herbst 2011 gestorben ist; oder wie es in der Trauerkarte formuliert war: Heimgehen durfte!]

Es ist nie zu spät - und nun lebe ich!

In den Niederlanden wurde ich am 6. Dezember 1936 als zweites von drei Mädchen geboren. Ich sollte unbedingt ein Junge sein und wegen des Geburtstermins Klaus heißen. Nun war ich eine Christel.

Die Familie wartete auf einen männlichen Nachkommen zum Erhalt des Familiennamens und auf einen Erben der Herrenschneiderei. Die Schneiderei gab es schon über viele Generationen. Als Mädchen entsprach ich in keiner Weise vor allem den Wünschen meiner Mutter. Meine ältere Schwester war immer die gute Tochter, die schon früh auch Verantwortung übernehmen musste. Als dann nach zwei Jahren noch ein Mädchen geboren wurde, machte diese mir dann durch ihre Zartheit und ihren Liebreiz die Liebe meiner Mutter völlig streitig. Wegen ihrer hellen Löckchen wurde sie „unser Helles“ genannt. Ich kann nicht sagen, dass ich meine beiden Schwestern geliebt habe. Hing immer dazwischen. Je nach Bedarf war ich zu groß oder zu klein.

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Andrea

Jahrgang 1961, Journalistin und Dozentin in der Erwachsenenbildung

Ich wachse in einer Familie auf, die seit Generationen in einer protestantischen, streng fundamentalistischen 500-Seelen-Gemeinde lebt. Die Kindheit wird durch soziale Spannungen der Eltern überschattet. Der großstädtische, bildungsbürgerliche Vater fühlt sich in der Dorf- und Familiengemeinschaft unwohl. Die Mutter muss dich permanent zwischen dem „zugereisten“ Ehemann und der Familientradition einer Bauernfamilie entscheiden. Ich selbst bin das „Hühnchen im Korb“, Cousin und Schwester kommen erst fast ein Jahrzehnt später zur Welt. Die Frauen sind die Starken in der Familie, die Männer erlebe ich als selten verfügbar und ausnahmslos alle Nachbarsjungen sind viel älter als ich. Im homogenen Dorfgefüge gibt es praktisch keine Außenseiter - keine Katholiken, keine Juden und schon gar keine Ausländer. Die Kirchengemeinde bildet den sozialen Angelpunkt des Ortes.

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Petra

I am what I am!

Einen Lebenslauf zu schreiben, der etwas mehr oder besser etwas weniger enthält als die üblichen Formalien, ist zwar reizvoll, aber beinhaltet auch gewisse Schwierigkeiten. Nun denn, es soll sein.

Geboren und aufgewachsen bin ich als ökumenisches Produkt in einer sehr katholischen Ecke Nordrhein-Westfalens. Entsprechend auch die Karriere: katholischer Kindergarten, katholische Grundschule, katholisches Mädchengymnasium, es schien sehr logisch, dass die wichtigsten und intensivsten Freundschaften zu Mädchen bestanden.

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Astrid

geb. 1966, Sparkassenkauffrau

Ein kleiner Ort an der Nahe (ca.3.600 Einw.) ist meine Heimat... Hier bin ich quasi geboren, aufgewachsen und in dem lebe ich heute noch. Ich habe noch eine Schwester, die vier Jahre jünger und verheiratet ist. Sie ist Mutter von zwei Mädchen, 11 u. 6 Jahre.
1966 war es für meine Eltern nicht einfach mit mir. Wenig Geld, Vater noch bei der Bundeswehr, von den eigenen Eltern keinerlei Unterstützung. Und beide waren noch minderjährig. Die Vermieterin der Wohnung war es, die meiner Mutter zur Seite stand. Noch heute haben wir einen innigen Kontakt zueinander. In meiner Kinder- und Jugendzeit wollte ich ein Junge sein. Meine Eltern hätten mir in diesem Fall den Namen Jörg gegeben. So war die Zeit geprägt von nur Hosen tragen (ich hätte gerne so eine Ledertrachtenhose gehabt), Fußball spielen mit den Jungs, dem Vater helfen, wie nur Jungs helfen können.

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Jaró

Erinnerungen an ein Landleben – meine Coming Out Zeit

In den späten 80er Jahren habe ich das erlebt, woran sich wohl viele noch sehr deutlich - mit Freude oder Schrecken - erinnern. Ich sage nur: Haare sprießen, Brüste wachsen und Blut fließt. Die Pubertät!

Es war eine furchtbare Zeit des Vergleichens mit anderen. Vieles von damals habe ich schleunigst wieder verdrängt. Aus heutiger Sicht erstaunlich gehörte zu den im tiefsten Unterbewusstsein verstauten Dingen nicht, dass meine Lieblingsserie „Schwarzwaldklinik“ hieß. Auch nicht dass ich Fernsehzeitungsausschnitte von „Alf“ sammelte der, damals frisch aus den USA importiert, mein Vorabendprogramm bereicherte. Was ich jedoch vor allem versucht habe weit von mir zu schieben war die Zumutung, als weibliches Wesen wahrgenommen werden zu müssen; gekoppelt an dementsprechende Verhaltenserwartungen.

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Caroline

Geboren bin ich Anfang der Siebziger Jahre als Jüngste von 4 Geschwistern. Auf religiöse Erziehung wurde von meinen Eltern viel Wert gelegt und in meiner Kindheit und Jugend erlebte ich viel bereichernde Zeit in einer intakten Familie und einem aktiven Pfarrleben.

So ab dem Alter von 14, 15 setzte ich mich immer mehr mit der Suche nach einem Sinn erfüllten Leben auseinander. Ich war eher von stillem Naturell, zurückhaltend und sensibel. Es war mir ganz wichtig den „richtigen“ Beruf zu finden, einen der mich ganz glücklich macht. Schon früh stand dabei Hebamme ganz oben auf meiner Hitliste.

Etwas was mich sehr faszinierte, waren fremde Länder und Kulturen. Reisen fand ich toll und versuchte das auch nach meinen Möglichkeiten zu verwirklichen. So machte ich z.B. eine Interrailtour mit 2 Freundinnen durch Skandinavien und im nächsten Jahr verbrachte ich 4 Wochen in einem Kibbuz in Israel. Damals fing ich auch Feuer für ein Leben in Gemeinschaft.

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schönheit und fülle


schönheit und fülle
bist du,
göttin gott
verbirgst dich
in gras und blume
in baum und bach
in schmetterling und hummel
wolken und sonne


und sprichst
dich zugleich
in ihnen aus


schönheit und fülle
bist du,
göttin gott
verborgen im himmel
der sich öffnet
manchmal
für einen blick


schönheit und fülle
bist du,
göttin gott
verborgen in allem


und alles
birgt dich


ursprung aller lebendigkeit

(CK)